Götter im Porträt (2): Aphrodite

In dieser neuen Reihe hier im Blog werden in nächster Zeit die Götter näher vorgestellt — in der Reihenfolge, in der sie im Buch auftreten.

Figuren der antiken Mythologie haben viel mit modernen Comic-Superhelden gemeinsam. Neben ihren übermenschlichen Fähigkeiten und epischen Schlachten – mal gegeneinander und mal gegen gemeinsame Feinde – haben auch sie oft mehrere, einander widersprechende Herkunftsgeschichten. Ein solcher Fall ist Aphrodite, die Göttin der Liebe, der Schönheit, des Begehrens und der Fruchtbarkeit: nach einigen, vor allem älteren, Quellen wurde sie gezeugt, als Kronos seinen Vater Uranos entmannte und dessen Genitalien ins Meer warf, woraufhin Aphrodite als schöne, erwachsene Frau dem Schaum des Meeres entstieg. Das berühmte Gemälde „Die Geburt der Venus“ (der römische Name der Aphrodite) von Sandro Botticelli (ca. 1485) zeigt diesen Ursprung. In Homers Ilias und anderen neueren Quellen ist sie dagegen eine Tochter von Zeus und der Titanin Dione.

Wenn man eine solche Figur für ein Werk adaptiert, muss man sich für eine der Herkunftserzählungen entscheiden. In „Göttersommer“ ist sie, wie bei Homer, die Tochter von Zeus und Dione, denn dass viele der auftretenden Götter Geschwister sind, macht ihre Interaktion miteinander wesentlich interessanter.

Anders als die streng logisch denkende Athene ist Aphrodite durch ihre Leidenschaft, aber auch tiefes Mitgefühl für die Sterblichen geprägt. Ihre Beziehungen zu Menschen sind entsprechend warmherzig und persönlich. So kam es auch zu zahlreichen Liebschaften mit Sterblichen; der Sage nach hatte sie beispielsweise eine Affäre mit Anchises und ist die Mutter seines Sohnes, des trojanischen Kriegshelden Aeneas, der nach dem Krieg aus Troja floh, seinen greisen Vater auf dem Rücken, sich letztlich im heutigen Italien ansiedelte und als Vorfahre der römischen Stadtgründer Romulus und Remus gilt, so dass er vor allem in der römischen Mythologie eine Rolle spielt.

Aphrodite ist auch mit dem Konflikt verknüpft, der überhaupt zum trojanischen Krieg führte: aus Zorn darüber, dass sie als einzige der Olympier nicht zu einer Hochzeit eingeladen wurde, warf Eris, die Göttin der Zwietracht, eines Tages einen Apfel mit der Inschrift „Für die Schönste“ zwischen Hera, Athene und sie. Da die drei Göttinnen sich nicht einigen konnten, wer von ihnen die Schönste sei, ließen sie den schönen, aber offenbar etwas törichten trojanischen Prinzen Paris die Wahl treffen. Alle drei machten ihm große Versprechungen: Hera versprach ihm Macht, Athene Weisheit, Ruhm und Reichtum. Er fand jedoch Aphrodites Geschenk am überzeugendsten, nämlich die schönste sterbliche Frau der Welt, Helena. Diese verliebte sich genauso unsterblich in Paris wie er in sie, war jedoch ärgerlicherweise bereits verheiratet. Ihr gehörnter Ehemann Menelaos zog mit einem gewaltigen Bündnis von Streitmächten nach Troja, um Helena zurückzubekommen. Der Krieg dauerte zehn Jahre, lieferte Helden und Schurken sowie zahlreiche Verluste auf beiden Seiten und ist der Stoff zahlreicher Legenden.

Unglücklich mit Hephaistos verheiratet, der sich mehr für seine Schmiedekunst interessiert als für sie, hatte Aphrodite im Lauf der Jahrtausende zahlreiche Liebhaber unter Göttern, Halbgöttern und Menschen, zum Beispiel Ares, Hermes oder den sprichwörtlichen schönen Jüngling Adonis. Oder, wie sie selbst sagt, „mehr als genug Kinder, von mehr Vätern, als du dir vorstellen kannst.“

Mehr über Aphrodite und die anderen Götter gibt es im vollständigen Roman „Göttersommer“ (hier kaufen).

Bisherige Folgen:

1. Hades

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